Doktor h.c. Eduard Hamm

Bundesminister Sigmar Gabriel
Begrüßung in der Bibliothek des BMfWuE

Benennung Bibliothek Wirtschaft und Energie
Ansprache des BMfWuE, Sigmar Gabriel

Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Herr Sigmar Gabriel, benennt am 70. Jahrestag des Todes von Eduard Hamm die Bibliothek seines Ministeriums nach Eduard Hamm, Reichswirtschaftsminister der Weimarer Republik und Gegner des NS von Anfang an. Er verlor sein Leben in der Gestapo-Haft in Berlin. 


Dankesrede
von Christine Beßner, Hamburg
bei der Festveranstaltung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

am 23. September 2014

 

Sehr geehrter Herr Bundesminister,
sehr geehrter Herr Staatssekretär*,
sehr geehrter Herr Kuhne**,
sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,

Dass Sie, sehr geehrter Herr Bundesminister, am 70. Jahrestag seines Todes an Eduard Hamm erinnern und sein Andenken mit der Nennung der Bibliothek Ihres Hauses nach ihm lebendig erhalten, ist bewegend.

Eduard Hamms letzte Ehrung, die er selbst noch erlebte, war die Verleihung der Würde eines Doctor iuris honoris causa im November 1927. Bis zuletzt war er stolz darauf, weil die Begründung seinen Einsatz für den demokratischen Staat seit 1919 so zusammenfasste:

... Anerkennung der vielen Verdienste, die Euer Hochwohlgeboren in schweren Zeiten in verschiedenen Spitzenstellungen des bayerischen Staates und des Deutschen Reiches und zur Zeit als Erstes Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Industrie- und Handelstages erworben haben.“

Als Minister für Handel, Industrie und Gewerbe im Freistaat war es die Umsteuerung der kriegsbedingten Planwirtschaft, als Staatssekretär der Reichskanzlei in Berlin war es der Erhalt der Einheit der Republik gegen Besetzung und Separation sowie der Kampf gegen radikale Umsturzbewegungen, als Reichswirtschaftsminister war es die Stabilisierung der neuen Währung und das Anstreben von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Kredit, im DIHT war es dessen Ausrichtung nach den Erfordernissen des demokratischen Staates, „auf das gemeinsame Ziel der Wohlfahrt des deutschen Wirtschaftslebens“, wie Franz von Mendelssohn es 1927 in Hamburg formulierte. Dies umfasste Programmentwicklungen auf wirtschafts- und finanzpolitischen Feldern, einschließlich der Sozialpolitik und der dualen Berufsausbildung. Das Ziel schien 1927 erreichbar, wie die Reden von Curtius und Hamm auf der Vollversammlung des DIHT in Hamburg zeigen.

Aber „mit dem Beginn des wirtschaftlichen Rückschlages 1929 nach vermeintlicher Hochkonjunktur, gewann die NS-Bewegung rasch wieder an Bedeutung. Denn sie verband Kapitalfeindlichkeit mit hochentwickeltem Nationalgefühl“, schrieb Hamm in der Wirtschaftszeitung 1932.Wie schon in den Jahren 1921-1924 hat Hamm jetzt wieder vor den Gefahren dieser Bewegung gewarnt. Vor den Novemberwahlen 1932 veröffentlichte er in der von ihm herausgegebenen Wirtschafts-Zeitung von August bis Oktober eine Artikelserie über die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Vorstellungen des NS. Jeder, der diese Analysen las, konnte wissen, was kam.

Nach der Machtübernahme ging Hamm in die Auseinandersetzung mit dem Regime. Er führte sie für die am Außenhandel beteiligten Verbände und für die Selbstverwaltung der Wirtschaft. „Ob man die natürlichen Kräfte der Bevölkerung zur Wirkung kommen lässt und diese Strebungen durch das Recht ausgleicht“, so Hamm, oder ob ein Wille durch eine Partei den autarken Staat generiert, ob Lebensmöglichkeiten geschaffen werden durch Rationalisierung der Arbeit in internationalem Verbund oder Lebensraumeroberung durch Reagrarisierung und Rüstungsintensivierung, darum ging es in der Auseinandersetzung. Hamm konnte Wirtschaftsminister Hugenberg noch auf eine offene Wirtschaftspolitik festlegen. Beim neuen Reichskanzler war dies aussichtslos. Darüber war er sich vorher im Klaren.

Für seine entschiedene, öffentliche Gegnerschaft von Anfang der NS-Bewegung an und seinen Widerstand gegen das Regime an dessen Beginn und den weiteren bis zu seiner Verhaftung am 02. September 1944 ist Hamm nicht gewürdigt worden. Das Interesse galt den Umständen, wie er ums Leben kam. Wir wissen aber nichts über das Ende seines Lebens. Nach der Verhaftung gab es kein Lebenszeichen mehr.

In der Sterbeurkunde steht:

Der Reichsminister außer Dienst, Doktor der Rechtswissenschaften ehrenhalber, Eduard Hamm, katholisch, wohnhaft in München, Friedrichstraße 17, zur Zeit Berlin, Lehrter Straße 3, ist am 23. September 1944 gegen 11:15 Uhr in Berlin auf dem Weg zum Staatskrankenhaus der Polizei verstorben.

Berlin 16. März 1945.“

Die Akte ist verschwunden. Am 25. Juli 1945 erstattete die Witwe Maria Hamm, meine Großmutter, Anzeige wegen eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Nach mehrjährigen Ermittlungen stellte der Generalstaatsanwalt von Berlin am 18. November 1950 das Verfahren ein. Die Ermittlungen hatten zu keiner Klärung geführt. Auch diese zweite Akte ist verschwunden. Die bleibende Ungewissheit lässt sich durch Annahmen und Überzeugungen nicht beseitigen. Entscheidend bleibt die Hinwendung zu dem „wofür“. Maria Hamm hat auf den Grabstein schreiben lassen:

Er starb für seine Überzeugung.“

Von dieser Überzeugung habe ich Ihnen heute etwas mitteilen wollen. An diesem 70. Todestag haben Sie, sehr geehrter Herr Bundesminister, Eduard Hamm in geistvoller Weise gewürdigt.

Das ist für mich Anlass zur Freude.

Ich danke Ihnen.

* Herr Dr. Rainer Sontowski
** Harald Kuhne, Leiter der Zentralabteilung BMWi


Benennung der Bibliothek Ministerium Wirtschaft und Energie durch Sigmar Gabriel
Vor der Enthüllung

Enthüllung des Schriftzuges der Eduard Hamm Bibliothek
Die Enthüllung des Schriftzuges durch den BMfWuE, Sigmar Gabriel und Christine Beßner

Benennung der Bibliothek Ministerium Wirtschaft und Energie durch Sigmar Gabriel

Eduard Hamm Bibliothek für Wirtschaft und Energie
Nach der Enthüllung

Gedenktafel an Eduard Hamm zur namentlichen Benennung der Bibliothek des Ministeriums für Wirtschaft und Energie
Texttafel zur Ehrung für Eduard Hamm

Eingang der Eduard Hamm Bibliothek für Wirtschaft und Energie nach der Benennung durch den Bundesminister Sigmar Gabriel
Das Eingangsportal der Eduard Hamm Bibliothek im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Sigmar Gabriel mit Frau Christine Beßner
Bilderläuterungen Seite 1 Seite 2

(Das Bild zeigt den Empfang von Sir Arthur Balfour durch den DIHT, nach dem Hoover-Moratorium 1931. Versammelt ist der wirtschafts- und finanzpolitische Sachverstand der Republik, vier Finanz-, vier Wirtschaftsminister, sechs Staatssekretäre, Banken- und Industrievertretungen sowie Repräsentanten des DIHT. Eduard Hamm hat handschriftlich Namen von Persönlichkeiten festgehalten. Einzelheiten sind der beigefügten Legenda zu entnehmen. Die Anwesenheit von Dr. Carl Melchior, Warburg Bank & Co., Reparationskonferenz-Sachverständiger (Nr. 46 der Legenda) lässt Schlüsse zu auf die Thematik der Besprechungen.)

Bildnachweise:

Video: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vom 23.09.2014
Fotos: Frieder Hamm vom 23.09.2014
Foto: Rohbau des NS-Doku-Zentrums München, Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger
Foto: Gedenktafel Hamms in Reit im Winkl, Hanns Ostermaier
Foto: Portrait E. Hamm von 1929, Privatbesitz Christine Beßner
Foto: Grabstätte Hamm, Dr. Wolfgang Beßner